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Music is my boyfriend – von Martin Büsser

Bloged in Popkultur, Buchkritik von admin Sonntag Juni 19, 2011

Martin Büsser - Music is my boyfriendMit Büchern über Popmusik ist das so eine Sache. Entweder sie verkünden Belangloses,sind also Fankram oder sie langweilen uns mit einem Faktenwust zur jeweiligen Band, sind dann in der Regel von Fans geschrieben.
Anders kommt der leider viel zu früh verstorbene Journalist, Autor, Verleger und Musiker Martin Büsser daher. Der Ventilverlag hat jetzt  eine Sammlung seiner besten Texte aus dem Zeitraum 1990 – 2010 unter dem Titel „Music is my boyfriend“ zusammengestellt.Grenzenlose Leidenschaft, so muss man wohl Martin Büssers Verhältnis zur Popkultur verstehen. Abseits der ausgetretenen Pfade und dem einem ökonomischen Diktat unterliegenden Mainstream hat er sich in seinen Texten unermüdlich auf den Weg gemacht  das Unbekannte, das Aufregende zu finden. Das was jeden an progressiver Musik Interessierten aus seiner Lethargie herausreisst. Hier trifft man neben Hardcore (das Ding Anfang der 90ger Jahre) auf Minderheitenkulte wie Emo oder Antifolk. Natürlich auch die Hamburger Schule, naürlich auch Queere Künstlerinnen. Martin Büssers Texte sind kompromisslos – auch in ihrer Humanität, ihrer linken Haltung und in seinem Interesse für das jeweiligeThema. Seine Unkorrumpierbarkeit ermöglicht ihm Freiheitsgrade in seinen Aufsätzen, die man bei vielen Journalisten vergeblich sucht.
“Hardecore ade…“ gerät zu einer schonugslosen Abrechnung mit der Szene, die sich nur noch über ihre Rituale und Symbole definiert. „Niemand ist frei, solange er zu seiner Freiheit erkennbare, vorzeigbare Merkmale braucht um frei zu sein“ schreibt Büsser.
Ob in „Erziehung zum Mittelmaß“, einem Essay über den Umgang mit rechten Gesinnungen im deutschen Kulturbetrieb oder in „Alles durchwinken – Das Verschwinden der Poplinken und der Triumph der Kulturindustrie“, einem Aufruf gegen die Gefälligkeitsstandards – Martin Büsser nimmt eine Haltung ein, die nicht mehr selbstverständlich ist und sich klar gegen jede Form von Nationalismus, Sexismus und Konformismus stellt.
Bleibt noch zu erwähnen, das wir Martin Büsser auch die Zeitschrift Testcard zu verdanken haben. In diesen Beiträgen zur Popgeschichte machte er uns in der lezten Ausgabe Hoffnung mit dem Wuchern der Nischen nach dem Ende der Poprelevanz. Das Martin Büsser uns nicht mehr popkulturellen Trost spenden kann ist nur schwer zu fassen.

Text: Ulf Engelmayer

Music ist my Boyfriend von Martin Büsser
Ventilverlag 2011 Mainz
14,90 Euro
 

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