Blackwater – Berichte aus dem Innenleben einer Schattenarmee
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Wer sich über den Zustand der Welt auf dem laufenden halten will, kommt an drei relevanten Informationsquellen nicht vorbei: der überregionalen Tageszeitung, dem Dokumentarfilm und dem politischen Buch. Blackwater – Der Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt ist so ein unverzichtbares Sachbuch.
Worum geht es? Blackwater ist eine private amerikanische Sicherheitsfirma, die im Zuge des letzten Irakkriegs einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung nahm. Das Unternehmen ist in der Lage aus dem Stand bis zu 25.000 Söldner, Gerät, Waffen und Transportmittel für Einsätze in alle Welt zur Verfügung zu stellen.
Private Sicherheitsfirmen sind Dienstleister, die in der Regel im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung agieren. Blackwater ist erst durch zwei Ereignisse im Irak über die Medien bekannt geworden. Zum einen durch die Ermordung von vier Mitarbeitern in Falludschah, zum anderen durch das Massaker von Blackwater Söldnern am Nisour Platz in Bagdad, als 17 irakische Zivilisten getötet wurden. Scahills Buch wirft einen Blick auf das Innenleben dieses Unternehmens, zeigt seine Aufträge und Auftraggeber und benennt das Führungspersonal sowie die Lobbyisten von Blackwater. Kein leichtes Unterfangen, da Blackwater alle Gespräche mit dem Autor ablehnte. Kernpunkte des Buches sind folgende Aussagen:
• Blackwater Chef Erik Prince ist in einer stark religiös-fundamentalistischen Familiendynastie verortet, die den Republikanern nahe steht. Er sieht sich und sein Unternehmen als Teil einer politischen Mission im „Krieg gegen den Terror“
• Blackwater hat in den letzten Jahr enorm von der Rumsfeld Doktrin profitiert, militärische Aufgaben privaten Dienstleistern zu überlassen. Im Irak arbeiten mittlerweile mehrere zehntausend Söldner im Auftrag der USA, die zudem keinerlei nichtamerikanischer Gerichtsbarkeit unterliegen.
• Blackwater profitiert in zweierlei Weise vom jetzigen Regierungssystem. Einerseits durch die lukrativen Regierungsaufträge, anderseits durch ehemalige Mitarbeiter des Militärs, der Regierung oder der Geheimdienste, die mittlerweile als Berater oder Mitarbeiter von Blackwater tätig sind.
• Blackwater untergräbt die Souveränität von Nationalstaaten: es werden Soldaten aus Ländern rekrutiert, die den Irakkrieg ablehnen (z.B. Chile) oder die söldnerische Aktivitäten ihrer Staatsbürger verbieten (z.B. Südafrika).
• Blackwater ist nicht nur international tätig, sondern führt auch hoheitliche Aufgaben innerhalb der USA durch. Das Unternehmen bildet Polizisten und Grenzschützer aus und übernahm Patroulliengänge und Sicherungsdienste nach dem Hurrikan Katrina in New Orleans.
Diese Fakten zeigen einen Paradigmenwechsel in der Militär- und Sicherheitspolitik unter George W. Bush: die Privatisierung von Sicherheit und hoheitlichen Aufgaben des Staates. Welche politischen und gesellschaftlichen Folgen dies für die demokratische Struktur eines Staates haben kann untersucht Jeremy Scahill in seinem Buch nicht. Sein Verdienst ist es, dass Problem von privaten Schattenarmeen in ein öffentliches Licht gerückt zu haben, am Beispiel von Blackwater, einem kleinen aber sehr einflussreichen Part eines neuen, mächtigen militärisch-industriellen Komplexes in den USA.
Jeremy Scahill.: Blackwater – Der Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt
erschienen im Kunstmann Verlag 2008 320 Seiten, 22 Euro



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