Der Sommer ohne Männer von Siri Hustvedt
Mia Frederiksen ist Dichterin, sie lebt mit ihrem Mann Boris in New York. Ihre Tochter ist bereits erwachsen. Boris ist Neurowissenschaftler. Eines Tages teilt er Mia völlig überraschend mit, das er nach 30 Jahren Ehe eine Pause braucht. Kein Schluß, Aus und Vorbei sondern eine Pause, der für ihn eine offene Entwicklung möglich macht. Die Pause, so nennt Mia sie, ist eine junge französische Wissenschaftlerin und Mitarbeiterin von Boris. Eine Frau mit signifikantem Busen und exzellentem Verstand. Doch eben dieser Begriff Pause, läßt Mia völlig ausrasten.
Sie wird in die Psychiatrie eingewiesen, in der ein psychotrisches Syndrom, auch Durchgangssyndrom genannt, diagnostiziert wird. Mia wird eineinhalb Wochen stationär behandelt. Nach der Entlassung aus der Klinik will sie nicht wieder zurück in ihre Wohnung. Zu viele Erinnerungen mit Boris sind dort. Mia ist Lehrkraft an der Universität und läßt sich beurlauben. Sie fährt nach Bonden in Minnesota, den Ort ihrer Kindheit. Ihre Mutter lebt dort in einem Seniorenheim und ihre Schwester und Tochter versprechen Mia sie in Bonden zu besuchen. Im Kulturforum des Ortes wird Mia einen Poesiekurs für Jugendliche veranstalten und telefonisch mit ihrer psychologischen Betreuerin Fr.Dr.S. in Verbindung zu bleiben. In Bonden angekommen mietet Mia ein Haus und fängt an Kontakte zu knüpfen. Da sind die Freundinnen ihrer Mutter im Seniorenheim, die sie insgeheim die fünf Schwäne nennt und sich einmal im Monat zu einem Lesezirkel treffen. Sie lernt ihre junge Nachbarin Lola und ihre zwei Kinder kennen. Auch Lola hat Probleme mit ihrem Mann, oft hört Mia nachts in ihrem Schlafzimmer, wie die zwei sich streiten. Und dann sind da die pubertierenden jungen Mädchen die Mia in ihrem Poesiekurs das Schreiben näherbringen soll. Die alltäglichen Belange genau wie die kleinen und großen Geheimnisse der Mädchen bis hin zur einhundertjährigen Seniorin gehören zu diesem Sommer ohne Männer der für die gedemütigte, verlassene Mia ein Heilungsprozess wird. Am Ende besinnt sich Boris und möchte Mia zurück und sie fragt sich wer die Pause beendet hat. Sie hat sich inzwischen an ein Leben ohne Boris gewöhnt.
Siri Hustvedt hat bereits mehrere Romane erfolgreich veröffendlicht. Sie lebt mit ihrem Mann, dem renomierten Schriftsteller Paul Auster in New York.
Auch wenn der Sommer ohne Männer Ähnlichkeiten mit dem Leben Siri Hustvedts enthält, handelt es sich um eine fiktive Story. Obwohl dieser Roman unter den Begriff Frauenliteratur fällt, hat diese Geschichte nichts mit seichter Unterhaltung zu tun. Siri Hustvedt ist im gleichen Alter wie ihre Protagonistin und läßt durch Mia den Schmerz, die unglaubliche Wut aber auch die Ehrlichkeit und Ironie im Rückblick einer ungewollt abgebrochenen Beziehung beschreiben. Mia ist hier stellvertretend für Frauen deren Männer tatkräftig die eigene Karriere entwickeln können, weil sie Unterstützung von ihren Partnerinnen bekommen. Gleichzeitig ermöglicht die Beobachtung der jungen Mädchen einen Rückblick auf die eigene Jugend und durch die Erzählungen der Seniorinnen die Beschreibung der Ängste und der Weisheit des Alters, einen Ausblick auf die Zukunft.
Dieses Buch ist Unterhaltung und Denkanstoß zugleich.
Text: Jutta Engelmayer
Siri Hustvedt
Der Sommer ohne Männer - Roman, 251 Seiten, Paperback
rowohlt, Frühjahr 2011, ISBN 978-3-498-03010-0




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