Daniel Domscheit-Berg – Inside WikiLeaks - Ein Insiderbericht
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Es gibt Internetseiten die jeder kennt, dennoch nur von wenigen genutzt werden.
Die Enthüllungsplattform „WikiLeaks“ gehört dazu. Abgesehen von Journalisten, Bloggern und Datennerds wird sich kaum jemand der Mühe unterziehen hunderttausende von Dokumenten anzuschauen.
WikiLeaks ist weltweit durch die Veröffentlichung von Dokumenten über den „Krieg gegen den Terror“ sowie die US-amerikanischen Botschaftsdepeschen bekannt geworden. Während die Enthüllungsplattform für Transparenz sorgt, ist über das Innenleben der Organisation um den Netzaktivisten Julian Assange nicht viel bekannt. Einer seiner ehemaligen Mitstreiter, der Diplominformatiker Daniel Domscheid-Berg, hat jetzt ein Buch geschrieben, das tiefe Einblicke in die WikeLeaks Welt gewährt. Domscheid-Berg war kein Mitläufer sondern unter dem Pseudonym Daniel Schmitt Mitglied des inneren Kreises um Julian Assange. Er hat maßgeblich die Architektur der Plattform mitentwickelt und war an allen wichtigen Kampagnen von WikiLeaks beteiligt. Das Prinzip von WikiLeaks ist relativ einfach. Interessierte Kreise, sogenannte Wistleblower, bieten Material an, das die Aktivisten sichten und dann unkommentiert veröffendlichen. Nachdem der Bekanntheitsgrad der Plattform deutlich gestiegen war, wurde das Material zunächst einem Pool von relevanten Medien (Spiegel, New York Times, Guardian) zur Verfügung gestellt, die die Dokumente systematisch ordnen und daraus Übersichtsartikel veröffendlichen, die dann in den jeweiligen Medien ab einem bestimmten Stichtag veröffendlicht werden. Domscheid-Berg gibt in „Inside WikiLeaks“ nicht nur einen tiefen Einblick in die Arbeitstechniken und Strukturen dieser umstrittenen Website, sondern auch in die Welt des WikiLeaks Gründers Julian Assange. Exentrisch, mit absolutem Führungsanspruch ausgestattet, ist die Beziehung zwischen Domscheid-Berg und Assange seit der ersten Begegnung 2007 nie konfliktfrei gewesen. Eine vorurteilsfreie interne Diskussionskultur scheint es nie gegeben zu haben.
Hier zeigt sich eine gravierende Schwäche des Buches, denn streckenweise gerät der Text zu einer sehr persönlichen Abrechnung mit dem WikiLeaks Gründer. Berechtigt oder nicht, der Erkenntniswert des Lesers leidet darunter. Dennoch faszinierend, wie eine ziemlich kleine Gruppe von Aktivisten – und sie war kleiner als viele vermutet haben – die große Politik in Atem halten kann.
Das Buch zeigt aber auch, das das reine „Sichtbarmachen“ von Dokumenten nicht ausreicht. Erst die kompetente Sichtung und Auswertung durch professionelle Journalisten zeigt die politische Brisanz. Man darf gespannt sein, welche Details die geplante Autobiografie von Julian Assange (geplante Veröffendlichung bei KiWi) zu Tage bringen wird.
Daniel Domscheit-Berg und einige Mitstreiter haben im September 2010 WikiLeaks verlassen und arbeiten zur Zeit an der Gründung eines neuen Projekts mit dem Namen OpenLeaks.
Text: Ulf Engelmayer
Daniel Domscheit-Berg
Inside WikiLeaks , 302 Seiten, Paperback, 18€
Econ Verlag ,2011, ISBN 978-3-430-20121-6



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