Alexa Henning von Lange – Leichte Turbulenzen - Roman
Ivy Bachmann modelliert Figuren im Londoner Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds. Nachdem sie ihre Familie in Berlin besucht hat, ist sie jetzt auf dem Weg zum Flughafen um nach London zurück zu fliegen. Ivy hat extreme Flugangst und ist sicher mit der Maschine nach dem Start abzustürzen. Sie ist absolut davon überzeugt und nimmt ihre Familie die sie mit dem Auto zum Flughafen bringt, kaum noch wahr.
Nathalie macht sich um ihre Schwester Ivy Sorgen. Sie isst zu wenig, Kleidung ist ihr nicht wichtig und sie ist mit Anfang 30 immer noch allein. Ivy könnte mehr aus sich machen. Nathalie selbst ist verheiratet und hat eine kleine Tochter. Der Vater der beiden, ein ehemaliger Historiker, lebt im Wendland und beschäftigt sich hingebungsvoll mit dem Familienstammbaum. Die Mutter hat, als Ivy noch ein Kind war, Selbstmord begangen.
Im Flugzeug lernt Ivy einen Mann kennen. Trotz ihrer lähmenden Flugangst betrachtet Ivy ihren Sitznachbarn verstohlen. Was sie sieht gefällt ihr ausnehmend gut. Ein bisschen Fantasie dazu und er erscheint ihr wie der Ehemann, den sie sich schon immer vorgestellt hat. Ivy kommt mit Desmond Gayle, so heißt ihr Traummann, ins Gespräch. Sie erzählt ihm von ihrem Beruf. Der nächste anstehende Auftrag ist eine Figur von Vincent van Gogh zu modellieren. Auch Desmond fühlt sich zu Ivy hingezogen. Kurz vor der Landung in London spricht er eine Einladung aus, seine Eltern in den USA zu besuchen. Ivy lehnt verwirrt und verunsichert ab. Zu nah ging ihr die Trennung von ihrem letzten Freund. In London angekommen bereut sie ihre vorschnelle Ablehnung der Einladung. Sie beginnt im Internet nach Desmond zu recherchieren.
Ivy stürzt sich in ihre Arbeit. Die Figur von Vincent van Gogh gelingt ihr ausnehmend gut. Sie ertappt sich dabei ihre Gefühle auf eine Wachspuppe zu projizieren, was total absurd erscheint. Immer wieder hofft sie, das Desmond bei ihr auftaucht, schließlich weiß er doch wo sie arbeitet!
Währenddessen vermutet Nathalie in Berlin, das ihr Mann eine Affäre hat. Sie ist ein Mensch der sich in Situationen extrem hineinsteigern kann. Als ihre Tochter ernsthaft erkrankt, verlangt sie von Ivy zurück nach Berlin zu kommen. Wieder muss Ivy in ein Flugzeug steigen.
Alexa Henning von Lange hat einen Roman über eine Familie geschrieben, in der jeder auf seine Weise versucht, den Tod der Mutter zu verarbeiten bzw. zu verdrängen. Aus den Gesprächen und Gedanken über die Mutter, erfährt der Leser etwas über sie. Eine junge, schöne Frau die ihrem Mann zu Liebe die Stadt verlässt um mit ihm und den Töchtern in der Provinz zu leben. Jeder glaubt sie ist glücklich, bis sie eines Tages am Ufer eines Sees gefunden wird.
In einer Zeit, die immer schnelllebiger wird und immer mehr Menschen ihre Individualität ausleben wollen, ist der Zusammenhalt und das Vertrauen in der Familie etwas wertvolles geworden. Mit viel Einfühlungsvermögen stellt die Autorin ihre Charaktere vor. Es fällt leicht sich in die Personen hinein zu versetzten. Eine skurril humorvolle und manchmal traurige Geschichte.
Text: Jutta Engelmayer
Alexa Henning von Lange –Leichte Turbulenzen - Roman, gebunden, 320 S., 19,99€
C. Bertelsmann; September 2011, ISBN 978-3-570-10073-8



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