Die Abwesenheit des Politischen durchzieht den derzeitigen öffentlichen Diskurs. Der Soziologe Zygmunt Baumann meint: Die Menschen könnten ” die Realität nicht mehr nach eigenen Wünschen kneten und formen”, diese stünde ihnen heute “massiv und träge, undurchsichtig, undurchdringlich und unüberwindlich gegenüber”, sei “immun gegen alle Versuche, unser Zusammenleben menschlicher zu gestalten.” Ist dies in der Tat das “Ende der Geschichte”, das thatchersche “There is no alternative”? Nein, meinen die Autoren des im Suhrkamp Verlag herausgegebenen Textbands “Und jetzt? - Politik, Protest und Propaganda”. In den Zeiten von Hartz IV und des Prekariats, im Verschwinden eines lebenslang garantierten Arbeitsverhältnisses ist es notwendig politische Startegien und Kampagnen anderes zu denken und zu organisieren, um in der Aufmerksamkeitsspange der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.. Auch wenn sich die Diagnose vom »Ende der Geschichte« plausibel anfühlen mag, politisierte Konsumenten, Medienaktivisten und Gewerkschafter versuchen, sie mit neuen Formen der Politik zu widerlegen. In anschaulichen Fallstudien bietet Und jetzt? eine Bestandsaufnahme über Propaganda und Protest am Beginn des 21. Jahrhunderts. Reportagen und Interviews werden ergänzt durch Gespräche mit Gegenwartsdiagnostikern wie Ulrich Beck, Michael Hardt und Chantal Mouffe. Zu diesem hervoragenden Reader existiert eine Webseite: www.politikundprotest.de.
Und jetzt? Politik, Protest und Propaganda
Herausg. Heinrich Geiselberger
edition suhrkammp Band 2500 12.-Euro