1. Mai Demo - Nostalgie oder Notwendigkeit ?
Jedes Jahr das gleiche Ritual. Die Gewerkschaften und die politische Linke rufen zur Demonstration am 1.Mai. Rote Nelken Buttons, die Fahnen der jeweiligen Organisationen werden gezeigt, Flugblätter verteilt. Nach der Demo mehr oder weniger prickelnde Reden zur Lage der arbeitetenden Klasse, dazwischen gewerkschaftliches Kulturprogramm. Präsent ist die Generation der 40 -50 Jährigen, das Leitmotiv in diesem Jahr: “Du hast mehr verdient.” - Seelenmassage für die von Existenzängsten geplagte Mittelklasse. Der 1.Mai als Feiertag des bewußten Teils der Arbeitnehmerschaft, denen klar ist, dass die Garantie eines Arbeitsplatzes kein Zustand von Dauer ist. Auch nicht im öffentlichen Dienst. Nicht Präsent sind die Jungen, die mit prekären Arbeistverhältnissen umgehen müssen, für die eine Festanstellung ein Begriff aus fernen Zeiten ist. Hier zeigt sich die deutliche Schwäche der Gewerkschaften diese Gruppe zu erreichen. Dazu reichen die seit Jahren unveränderten Rituale nicht aus. Wo sind die Langzeitarbeitslosen, die alleinerziehenden Mütter, die Niedriglohngruppen? Es zeigt sich, dass Armut in dieser Gesellschaft unsichtbar bleibt, bzw. eine Ghettobildung stattfindet, die sich schleichend abseits der eingefahrenen Wege breitmacht. Ganze Bevölkerungsteile werden einfach nicht mehr für den Wirtschaftskreislauf gebraucht. Diese Problematik mehr in das öffentliche Bewußtsein zu rufen, dass muss Aufgabe dieses Tages sein, dann wird aus dem 1. Mai ein notwendiger Tag, um zu demonstrieren, wie eine solidarische Gesellschaft aussehen kann. Vielleicht ist die Mindestlohnkampagne der Gewerkschaften dazu schon der erste richtige Schritt.


