“Schwabinger Krawalle” Protest, Polizei und Öffentlichkeit in den 60gern
Im Juni 1962 lieferte sich die Münchner Stadtpolizei im Künstler- und Studentenviertel Schwabing an fünf aufeinander folgenden Nächten heftige Auseinandersetzungen mit mehreren tausend Personen, die unter demonstrativer Missachtung polizeilicher Anordnungen Straßen und Kreuzungen blockierten. Kontroverse Medienberichte heizten die Stimmung zusätzlich auf. Der Anlass für die “Schwabinger Krawalle” war vergleichsweise banal gewesen: Zwei Streifenpolizisten waren am Abend des 21. Juni gegen eine Gruppe von fünf jugendlichen Straßenmusikern eingeschritten, die am Rande der Leopoldstraße vor einem größeren Publikum Lieder auf der Gitarre gespielt hatten. Die Situation eskalierte, als Zuhörer und Passanten die augenscheinliche Festnahme der Musiker verhindern wollten. Von nun an sollte sich in dieser und in den folgenden vier Nächten ein jeweils ähnlicher Handlungsablauf wiederholen: Hunderte bzw. Tausende lockierten die Leopoldstraße, die Einsatzkräfte versuchten die Straßen zu räumen und vermeintliche oder tatsächliche “Störer” festzunehmen.
Bis heute erstaunen die Gewaltexzesse im heißen Münchner Stadtsommer des Jahres 1962. So gab es zu dieser Zeit in der Bundesrepublik sonst kaum spektakuläre Konflikte zwischen Jugendlichen und der Polizei. Die Zusammenstöße vom Juni 1962 sind seitdem keineswegs in Vergessenheit geraten, sondern haben als vermeintlich rätselhaftes, isoliertes Ereignis einen festen Platz im Geschichtsbild der bayerischen Landeshauptstadt, aber auch in der bundesdeutschen Erinnerungskultur eingenommen. Kaum eine Schilderung der turbulenten 1960er Jahre kommt ohne einen Hinweis auf die “Schwabinger Krawalle” aus. Michael Sturm, Co-Autor des gleichnamigen Buches, versucht in seinem Vortrag, Licht ins Dunkel der Schwabinger “Krawall”-Nächte zu bringen. Er zeichnet nach, was sich vor rund 45 Jahren in der Leopoldstraße, Münchens Vergnügungsmeile zugetragen hat, wie der Konflikt wahrgenommen wurde und welche Folgen er für alle Beteiligten hatte.
Mittwoch, 28.03.2007, 20.00 Uhr / Roter Buchladen, Nikolaikirchhof 7, Göttingen / Eine Veranstaltung des Roten Buchladens Soli-Beitrag: 3,00 Euro, ermässigt: 2,00 Euro

