Filmfest Hamburg - RAMATA von Leandre-Alain Baker
Ramata wird eher vergewaltigt als verführt. Aber irgendwie kommt sie auf den Geschmack. Sie sucht nach Leidenschaft, aber das, was sie erreicht, ist der Verlust der Welt, wie sie sie kennt. Die Bourgeoisie im Senegal, die das Geschehen im Land regelt, ist eine vom normalen Volk sehr isolierte Schicht. Ramata ist ein sehr abgehobenes Exemplar dieser Elite. Ähnlich wie Madame Bovary sucht Ramata nach der Erfüllung in der Liebe. Und scheitert. Eine Frau, die nichts anderes gelernt hat, als ihre Schönheit einzubringen. Folgerichtig wurde sie die Frau eines Ministers. Sie lebt in dem üblichen goldenen Käfig. Unfähig, ihr glückliches Schicksal zu erkennen, zu dem sie selber nicht sehr viel einbringen mußte. Was sie aber durch das Zusammentreffen mit dem jüngeren Mann erfährt, ist, dass ihr etwas fehlt.
Nach anfänglichem Grübeln, ob ich im falschen Film sitze, ohne große Lust einen Film über Ehe-Prostitution zu sehen, wurde mir klar, mit welcher Sachlichkeit der Regisseur Léandre-Alain Baker das Thema entwickelt. Mosaikartik fügt sich die Geschichte auf mehreren Erzählebenen durch Fakteninput und Zeichen zusammen. So ist ihm ein sehr vielschichtiger Film gelungen. Es gibt sicher hundert Arten ihn nachzuerzählen. Je nachdem mit welcher Schlüsselszene man anfängt, um die Geschichte aufzurollen. Und auch der Standpunkt des Betrachters außerhalb des Geschehens ist dabei sicher nicht unwichtig.
Die Rolle der Ramata spielt das ehemalige afrikanische Model Katoucha Niane. Sie besitzt die zeitlose Schönheit einer antiken Statue, selbst im fortgeschrittenen Alter. Der Glücksbringer von Ramata ist übrigens sehr passend die goldene Nachbildung des berühmten Kopfes der Nofretete.
Meike Gastner



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