Filmfest Hamburg - CARCASSES von Denis Cote
Ein Außenseiterfilm in jeder Hinsicht. Nicht nur die Personen auch die Form des Filmens ist verstörend anders. Jean-Paul Colmor ist 74 Jahre alt und sammelt Altmetall jeder Art. Wie ein Gärtner verrichtet er sein Tagwerk auf seinem Schrottplatz am Rande von Montreal. Es gibt immer etwas zu tun. Und Besucher seines Domizils werden in der Regel fündig. Denis Coté wählt in seinem neuen Film einen Stil, der zwischen Dokumentarfilm und Fiktion angesiedelt ist.
Was sehr amüsant sein kann. Wenn von dem kanadischen Regisseur zum Beispiel eine Gruppe anscheinend städtischer Studenten eingeführt wird, um einen scheinbaren Klärungsbedarf zu hinterfragen. Auf ihr soziologisches Ansinnen, ob er sich als marginalisiert empfindet, antwortet er nur: dass er halt anders lebt als die anderen. Aber er ist fröhlich dabei und er hat seine sozialen Kontakte. Die Art seines Lebens ist also nicht sein Problem, sondern das derjenigen, die Fragen dieser Art stellen. Beinahe gegen Ende des Films bricht eine Gruppe junger Leute mit Downsyndrom in seine Welt ein. Schweigend fügen sie sich für eine Weile in die Inselwelt des Sammlers ein. Es ist ein Kommen und Gehen, ein Geben und Nehmen in dieser beinahe paradiesischen Wildnis. Man muss Geduld mitbringen, um sich CARCASSES anzusehen. Es wird nichts erklärt 0oder gedeutet. Die Kamera beobachtet das meist schweigende Geschehen. Lediglich zum Erzählen seines Tagesablaufes wird Jean-Paul Colmor wohl hin und wieder animiert. CARCASSES ist eine Meditation über eine Lebensweise, die fast ausgestorben zu sein scheint. Ein beinahe ländliches Eingebundensein in einen Kosmos, der hier aus Schrott besteht. Alles getragen - mit einem Augenzwinkern - von der Hauptperson. Oder wie das Branchenblatt VARIETY anläßlich der Premiere auf dem Festival in Cannes urteilte: „Vergnüglich exzentrisch!“
Meike Gastner



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