Wall to Wall: Immigranten in Europa
Der Dokumentarfilm des belgischen Regisseurs Patric Jean ist eine Reise von der ehemaligen Mauer in Berlin bis zu den Grenzzäunen von Ceuta in Nordafrika. Auf dieser Reise erzählt der Film von Immigranten, in Form von persönlichen Schicksalen. Die Reise beginnt in Berlin. Dort begegnet der Zuschauer einem Pakistani, der an der ehemaligen Mauer an Touristen Offiziersmützen der ehemaligen nationalen Volksarmee, Bernsteinketten und Mauerstückchen verkauft. In Berlin lebt er sehr spartanisch, mit seinem Geld unterstützt er seine in Pakistan lebende Frau und seine Kinder. Ein Mal im Jahr fliegt er nach Pakistan um seine Familie zu sehen.
Weiter geht die Reise nach Belgien. Hier wird etwas über die belgische Geschichte berichtet. Arbeitskräftemangel erfordert die Immigration von Gastarbeitern. Als erstes kommen Italiener. Vorgestellt wird ein Sarde, der als junger Mann abenteuerlustig und arbeitssuchend seine Heimat auf Sardinien verlassen hat, um wie er im Film berichtet in der Hölle der belgischen Kohleminen zu landen. Jetzt ist er Rentner, Vater von 8 Kindern. Damit hat er dem Land 8 neue Belgier geschenkt.
Eine weitere Familie hat ein schicksalhafter Zufall nach Belgien geführt. Er Afghane, sie Kubanerin. Die beiden lernten sich in der UDSSR kennen, beide in der Petrochemie tätig. Als er als Soldat in Afghanistan muß, reist sie nach Kuba um ihre Familie zu besuchen. Er wird schwer verwundet und will seine Frau in Kuba besuchen. Bedingt durch seine schweren Verletzungen muß er in Belgien das Flugzeug verlassen. Dort beantragt er Asyl. Seine Frau darf einreisen und beide gründen eine Familie, sie haben zwei Kinder die beide in Belgien geboren werden.
In Paris eine junge Roma, die mit ihrere Sippe in Wohnwagen unter Eisenbahnbrücken lebt. Ursprünglich aus Rumänien stammend kamen sie nach Paris, nachdem sie bereits ein Wanderung durch halb Europa hinter sich gebracht hatten. Die junge Frau spricht von einem freien, liberalen Frankreich, während über die Wohnwagensiedlung die Züge über die Brücken rattern. Ein Haus mit kleinem Garten ist ihr Wunsch.
In Spanien werden Einwanderer und Flüchtlinge aus Süd- und Mittelamerika als Reinigungskräfte und Haushaltshilfen vermittelt, wenn sie Glück haben.
Immer sprechen die Immigranten die jeweilige Landessprache. Häufig waren sie ohne die eigene Familie im Land und unterstüzen mit dem verdienten Geld Kinder, Ehepartner oder Eltern in der Heimat.
In Ceuta, der spanischen Enklave in Nordafrika, werden Schwarzafrikaner aus dem Stacheldraht der Grenzzäune befreit, die sie als Flüchtlinge überwinden wollten und wieder abgeschoben. Einige schafften die Flucht über das Meer auf die Ferieninsel Teneriffa. Zwischendurch Ausschnitte aus Nachrichtensendungen: Es wurden Leichen an der spanischen Südküste angespült. Einige Flüchtlinge konnten gerettet werden.
Der Film versucht klischefrei darzustellen. Immigranten sind oft aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Die Berliner Mauer ist gefallen, aber es gibt auch in Europa noch Zäune und Mauern, bestückt mit Stacheldraht und Waffen, um die zu schützen die sich etabliert haben.
Jutta Engelmayer



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