Film aus Ecuador gewinnt Hauptpreis bei Toulouser Treffen der lateinamerikanischen Filme
Am Sonntag, 29. März 2009, ging im südfranzösischen Toulouse das 21. Treffen der lateinamerikanischen Filme zu Ende. Am Samstagabend waren die Preise des Festivals vergeben worden. Ein eher unterdurchschnittlicher Jahrgang, der viele Sehbedürfnisse offen ließ, der aber wieder eine große Zahl von Filmemacherinnen und Filmemachern, unter ihnen auch bekannte Regisseuinnen und Regisseure wie Lucrecia Martel/Argentinien oder Fernando Pérez/Kuba zum Austausch zusammenbrachte. Ein Bericht von Michael Luppatsch
Der Ecuadorianer Mateo Herrera ging mit seinem Schwarz-Weiss-Film „Impulso“ als Hauptgewinner aus der Preisverleihung der „21ièmes Rencontres Cinémas d’Amerique Latine“ hervor. Aufgrund der „Authentizität und entwickelten Bildsprache“ bedachte ihn die fünfköpfige Jury mit dem „Grand Prix Coup de Coeur“, der mit 6100 Euros für die Unterstützung des Films bei der Ausstrahlung in den französischen Kinos dotiert ist. Den Publikumspreis – und den größten Applaus - erhielt im vollbesetzten Gaumot-Kino an der Toulouser Place Wilson der argentinische Beitrag „El Artista“ von Mariano Cohn und Gastón Duprat. Nach Ausfall eines Filmes aufgrund von Problemen bei der Anlieferung der Kopie verblieben sechs Spielfilme im Wettbewerb. Vgl. zu den Filmen unseren Wettbewerbsüberblick vom 27.03.
Der ebenfalls argentinische Spielfilm „Vil Romance“ von José Campusano, eine harte, in manchmal schockierende Bilder umgesetzte Geschichte einer homosexuellen Beziehung, erhielt sowohl den „Prix Découverte de la Critique Française“, den Preis der Französischen Filmkritiker für einen Erst- oder Zweitfilm wie auch den traditionellen Preis der Toulouser Eisenbahner „Rail d’Oc“.
„Dieses kraftvolle Werk taucht ein in das Leben seiner Protagonisten, das durch Gewalt und die Unabwendbarkeit des Schicksals bestimmt wird. Ein großes Dankeschön an den Regisseur, der durch seinen wahrhaftigen und respektvollen Blick uns bei der Suche nach unser eigenen Menschlichkeit voranbringt.“ hieß es in der Begründung, die die Eisenbahner-Jury im vollbesetzen Saal vorlas. Und die Filmkritiker-Jury nannte als Gründe für die vom Publikum deutlich unterstütze Preisvergabe an „Vil Romance“ die „Intensität der dargestellten Situationen“, „die Einzigartigkeit der Protagonisten“ die „gelungene Schauspielerführung“ und besonders die „überzeugende Darstellung der weiblichen, dritten Hauptdarstellerin Marisa Pájaro“.
Eine weitere Jury aus Mitgliedern des internationalen Kritikerverbandes FIPRESCI, bei der auch Wolfgang Hamdorf vom Film-Dienst mitwirkte, sprach dem längsten Film des Festivals, den „Historias Extraordinarias“ von Mariano Llinás (Argentinien), ihren Preis zu. Diese „besonderen Geschichten“ erwiesen sich als spannendes Kino, das es vermochte, fast alle Besucher in den mehr als vierstündigen Vorführungen des Kompendiums verschiedener, teilweise miteinander verwobener Geschichten über die gesamte Zeit auf den nicht gerade sehr bequemen Sitzen der Cinémathèque de Toulouse zu halten. Er war ebenfalls einer von sechs Erst- oder Zweitfilmen („Découverte“), die für diesen Preis nominiert waren.
Die katholische Filmorganisation „Signis“ vergab den Dokumentarfilmpreis des Festivals an „La Asamblea“ des aus Honduras stammenden Galel Maidana, der ganz aus der Nähe die kreative Arbeit von Patienten einer argentinischen Anstalt für Psychatrie aufnahm. Ein ebenfalls schwarz-weiss gehaltenes Patchwork von Gesichtern, Gesten, Dialogen und Schreien, außergewöhnlich treffend umgesetzt.
Ihren Kurzfilmpreis vergab dieselbe Jury an den mexikanischen 10minütigen Film „Café Paraiso“ von Alonso Ruiz Palacios. Eine zweite, studentisch besetzte Jury vergab ihren Kurzfilmpreis an Fabia A. Meira de Sousa für die brasilianisch-kubanische Produktion „Atlàntico“ von 12 Minuten Dauer. Im Kino Gaumont hätte man bei deren Auftritt den Film selbst gleich zweimal zeigen können, solange brachten sich alle 5 Mitglieder der Jury auf spanisch und französisch immer wieder gegenseitig ins Gespräch.
Der Preis des zweitägigen Workshops „Cinéma en construction“, der – abwechselnd in San Sebastián/Baskenland und in Toulouse – nun zum 15. Mal Filme unterstützt, die im Stadium der Postproduktion Unterstützung benötigen, ging an Nicolás Pereda (Mexiko) und seinen Spielfilm „Perpetuum Mobile“.
Über „Cinéma en construction“ und andere Teilaspekte des Toulouser Filmtreffens werden wir in Kürze noch berichten.
Michael Luppatsch
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