Die Filmkritik: Die Vaterlosen
Vaterlos - was fällt Ihnen dazu ein? Alleinerziehende Mutter? Soziale Probleme? Oder denken Sie an den Roman „Die Vaterlosen“ von Anton Cechov? Aber es gibt auch die subjektive Vaterlosigkeit.
Drei Geschwister - jetzt erwachsen - wurden alle geboren in einer alternativen Groß-WG auf dem Lande.
Sie sind nur teilweise zusammen aufgewachsen und treffen anlässlich des Todes ihres gemeinsamen Vaters Hans wieder aufeinander. Sie haben sich lange nicht gesehen. Das unerwartete Auftauchen von Hans’ Tochter Kyra, zu der es 20 Jahre keinen Kontakt gab, schickt die Geschwister auf eine aufwühlende Reise in die gemeinsame Kindheit. Was sie zum Teil erst zusammen erinnern können, was sie teilweise verdrängt haben.
Es sind mehrere Reisen in die Vergangenheit, die sich hier kreuzen. Wer sich für eigene Geschichte, für Familiengeschichte interessiert, ist in diesem Film gut aufgehoben.
Und wen interessiert, wie es Menschen ergehen kann, die in einer Groß-WG oder Landkommune aufgewachsen sind, für die also vielleicht ein anderer Familienbegriff zählt, ist hier auch richtig. Bei der Premiere auf der Berlinale gab es jedenfalls langen Applaus. Und da es eine deutschsprachige Produktion ist -nämlich aus Österreich- gibt’s den bestimmt bald im Kino.
Text: Thomas Borowski



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