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Der Ghostwriter - ein Politthriller von Roman Polanski

Bloged in Filmkritiken, Wettbewerb von admin Montag Februar 15, 2010

The Ghostwriter Foto:Berlinale

Einer der ersten Filme im Wettbewerb war “Der Ghostwriter” von Roman Polanski, die Verfilmung des gleichnamigen Bestseller-Romans von Robert Harris, die eigentlich in den USA, auf der kleinen Atlantikinsel Marthas Vineyard spielt. Thema: Ein Ghostwriter soll die Memoiren des britischen Ex-Premierministers schreiben und deckt dabei eine Verschwörung auf. Ganz in einem klassischem Krimistil á la Hitchcock gehalten, dominieren vor allem die sorgfältig ausgesuchten Schauspieler, darunter Kim Catrell und Olivia Williams, den Film. Interessant machen jedoch vor allem die Begleitumstände der Entstehung des Films: Da Roman Polanski bekanntermaßen seit den 1970er Jahren wegen eines Sexualdelikts in den USA strafrechtlich verfolgt wird, wurde der Film komplett in Deutschland gedreht und Sylt und Usedom mussten deshalb Marthas Vineyard doubeln. Wer also im letzten Februar auf die Ferieninsel Sylt kam, glaubte sich für ein paar Tage direkt in de USA versetzt: Die Straße zum Nordzipfel der Insel, dem Ellenbogen, wurde mit etlichen typisch amerikanischen Strommasten umdekoriert, denn hier trifft der Ghostwriter, der von dem britischen Schauspieler Ewan McGregor gespielt wird, auf einen wichtigen Augenzeugen, einen Inselbewohner, der die Leiche seines Vorgängers am Strand gefunden hat und ihn gleich über den Widerspruch informiert, dass selbiger wegen der Stroemung dort eigentlich gar nicht angespült hätte werden konnten, wenn er denn wirklich wie behauptet von der Faehre gefallen sei. Dieser Augenzeuge übrigens ist kein geringeres als der legendäre US-Mime Eli Wallach, den man aus vielen Western kennt, u.a. als Banditenanführer aus den „Glorreichen Sieben“ und zahllosen Italo-Western – er hat hier mit seinen 94 Jahren noch einmal eine dankbaren kleinen Gastauftritt bekommen. Ansonsten glaubt man manchmal, einen Werbefilm für einen der großen süddeutschen Autokonzerne vorgesetzt bekommen zu haben - so wird beispielsweise geschickt die Handhabung eines neuen Auto-Navigationssystem in die Handlung miteingebaut.
Übrigens: Als Vorbild für den erfundenen Charakter des Ex-Premierministers Adam Lang im dem Film fungiert unfreiwillig sicherlich Tony Blair. Der Film „Der Ghostwriter“ behandelt die verwinkelten Strukturen der Macht und die Rolle, die möglicherweise Geheimdienste bei der Karriere von Politikern spielen. Um es klarzustellen: Natürlich war der Regisseur selbst nicht auf der Berlinale anwesend, muß er doch bekanntlich mit einer elektronichen Fussfessel in einem Chalet in der Schweiz auf den Ausgang des Auslieferungsgesuchens der amerikanischen Justiz warten.Dafür stand nahezu der gesamte Cast, die Produzenten, der Autor der Originalvorlage und des Drehbuches, Robert Harris, sowie der Musikkomponist des Films der Presse  auf der Berlinale nach dem Film Rede und Antwort. Dabei erfuhr man, dass der Film bereits im Rohschnitt fertiggestellt war, als Roman Polanski im September verhaftet wurde. Nicht wenige Journalisten zogen nach der Sichtung des Films das Fazit, es gäbe es schon interessante Paralleln zwischen dem von der amerikanischen Justiz verfolgten Starregisseur und der Hauptfigur seines neuen Films: Beide stehen bald zwischen allen Fronten, beide wissen nicht mehr, wem sie trauen können, wer am Ende Freund und Feind ist – und viele Umstände des eigentlichen Geschehens bleiben auch zum Schluss verschwommen.
Obwohl vieles an der Machart des Films an viele andere konventionelle Thriller erinnert, hebt sich der „Der Ghostwriter“ doch von der Hollywood-Fließbandware deutlich ab. Besonders die sorgfältig ausgefeilten Dialoge fallen auf, die gekonnte Kameraführung und das geschickt immer wieder Suspense erzeugende Drehbuch. So werden ständig die Beziehungen der unterschiedlichen Charaktere neu ausgeleuchtet - und selbst Ex-James-Bond-Mime Pierce Brosan, der den undurchsichtigen Ex-Premierminister verkörpert, paßt gut in seine Rolle. Einigermassen spannend ist das Ganze sicherlich auch geworden, allerdings hätte man sich von einem Kultregisseur wie Polansi noch ein wenig mehr Raffinesse und Experimentierfreudigkeit gewünscht.
Polanskis subtile Regieführung sorgt aber letztlich doch dafür, dass auch einige kleinere Laengen im Skript und beim Faktenpuzzle nicht weiter ins Gewicht fallen. Alles in allem also ein durchaus gelungener Thriller, der aber sicherlich nicht als das Nonplusultra-Werk des Kultregisseurs in die Filmgeschichte eingehen wird – und demzufolge vermutlich (soviel Spekulation sei schon einmal erlaubt) vermutlich auch keinen der ganz wichtigen Hauptpreise des Festivals abstauben wird.
von Volker Reißmann

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