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Mein Name ist Khan - und ich bin kein Terrorist!

Bloged in Berlinale 2010, Filmkritiken von admin Montag Februar 15, 2010

Mein Name ist Khan Foto:Berlinale

Indiens größter Filmstar, Shahrukh Khan, besucht dieses Jahr zum zweiten Mal die Berlinale
Schon 2008 sorgte der Inder für riesige Fan-Schlangen vor dem Kino International nahe des Alexanderplatzes, als er in der Reihe „Berlinale Special“ seinen Film „Om Shanti Om“ präsentierte. Damals kamen Hunderte Fans aus ganz Deutschland, um ihren Star mit handgemalten Plakaten und Luftballons zu begrüßen.
Nun, zwei Jahre später, kehrt er anlässlich der 60. Berlinale zurück - mit seinem neuen Film, „Mein Name ist Khan“. Auch wenn der Titel vielleicht andere Rückschlüsse zulässt - dies ist keineswegs ein autobiographisch angelegter Film über den Schauspieler, denn der Name Khan ist vielmehr in Indien so geläufig und häufig wie bei uns die Namen Schmidt oder Müller …
Der 44jährige Shahrukh Khan, selbst ein Moslem, spielt Rizwan Khan, einen Moslem aus Mumbai, der am Asperger-Syndrom leidet. Er hat sich – sehr zum Ärger seiner Eltern – in die Hindu Mandira verliebt. Beide wandern in die USA aus, wo sie heiraten und ein neues Leben beginnen. Nach dem Anschlägen des 11. September 2001 werden sie damit konfroniert, dass die Stimmung im Land plötzlich radikal umschlägt.
Am Flughafen von L.A. kommt es zum Konflikt mit der Polizei: Was eigentlich nur ein Symptom seiner Krankheit ist, wird als Akt der Bedrohung empfunden. Rizwan wird wegen seines „verdächtigen Verhaltens“ vorübergehend verhaftet und versucht schließlich, den US-Präsidenten Obama, gespielt von Christopher B. Duncan, persönlich aufzusuchen, um seinen guten Ruf wiederherzustellen.
Eine autobiographischen Seitenhieb leistete sich Shahrukh Khan dann doch: Er soll nämlich im letzten August selbst bei einer Flughafenkontrolle in den USA einer ungewöhnlich langen und intensiven Überprüfung unterzogen worden und baute vermutlich deswegen diese Szene gleich zu Anfang des Filmes ein. 
Der Schauspieler, der schon am Donnerstag nach Berlin reiste, stellte am Freitagabend um 22.30 Uhr seinen neuen Film im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz zusammen mit Regisseur Karan Johar vor. 
In Indien kam es letzten Meldungen zufolge derweil schon zu Protesten einer ultranationalen Hindu-Splitterpartei gegen diesen Film. Offensichtlich passte den Extremisten das Thema der Verfolgung von religiösen Minderheiten in Indien und anderen Regionen der Welt nicht: Bei Demonstrationen wurden indische Filmtheater, die diesen Film zeigen wollten, u.a. mit Steinen beworfen und die Polizei mußte eingreifen. Das war natürlich in Berlin nicht zu befürchten, aber Kreisch-Attaken begeisterter – und natuerlich vorzugsweise weiblicher – Shahrukh Khan-Fans gab es wieder reichlich.
Als Fazit bleibt festzuhalten: Getanzt wird – eigentlich untypisch für einen Bollywood-Film – überhaupt nicht. Und insbesondere in der zweiten Hälfte enttäuscht der Film, wirkt manchmal wie eine unfreiwillige Persiflage, eine Art indische Variante von „Forrest Gump“. Ein wenig mehr Stringenz hätte man sich gewünscht, allein gute Absichten reichen dafür nicht aus. Übrigens: Eine Gelegenheit quasi zur Wiedergutmachung für seine Fans hat Shahrukh Khan übrigens vermutlich sogar noch in diesem Sommer, wenn in Berlin ein Teil der Dreharbeiten für seinen neuen Bollywood-Thriller „Don, 2.Teil“ stattfinden soll, wie er selbst bei der Berlinale-Pressekonferenz verriet.
Doch damit ist das Thema Indien auf der Berlinale bei weitem noch nicht abgehakt: Denn Berlinale-Festivaldirektor Dieter Kosslick reiste im September vergangenen Jahres nach Indien, um Kontakte zu knüpfen und noch einige weitere Filme aus diesem riesigen Subkontigent für sein Festival zu holen: So wird der in bengalisch gedrehte Film „Just Another Love story“ von Kaushik Ganguly und Rituparno Ghosh zu sehen sein, ferner „Peepli Live“ von Anusha Rizvi als „Berlinale Special“ und in der Reihe „Generation 14 plus“ die Filme „Road Movie“ von Dev Benegal und „Vihir – The Well“ von Umesh Vinyak Kulkarni. Und in der Reihe „Play it again“ zum 60. Jubiläum des Festivals gibt es dann zur Abrundung noch einige indische Filmklassiker aus den 1960er und 1970er Jahren zu sehen, darunter „Charulata“ von Satyajit Ray und „Manthan – das Buttern“ von Shyam Benegal. Fazit: So indisch war die Berlinale in der Tat noch nie! 
von Volker Reißmann

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