Panorama Dokumente: Jesus Christus Erlöser

Kinski Jesus Christus Erlöser Regie: Peter Geyer
Klaus Kinski: „Ich bin nicht der offizielle Kirchenjesus. Der unter Polizisten, Bankiers, Richtern, Henkern, Offizieren, Kirchenbossen, Politikern und ähnlichen Vertretern der Macht geduldet wird. Ich bin nicht euer Superstar.“
Im November 1971 betritt Klaus Kinski die Bühne der Berliner Deutschlandhalle. Tausende sind gekommen um sein neues Programm „Jesus Christus Erlöser“ zu sehen. Der von Kinski selbst verfasste Text, stellt Jesus als modernes Vorbild aller Hippies, Anarchisten und Revolutionäre dar. Aktuelles Zeitgeschehen wie die Studentenunruhen und der Krieg in Vietnam inklusive. Es soll der Auftakt zu einer großen weltweiten Tournee sein, aber es kommt anders.
Das Publikum ist keinesfalls gewillt schweigend zuzuhören. Nach wenigen Minuten kommt es zu ersten Zwischenrufen und Beschimpfungen. Kinski giftet zurück, unterbricht seinen Auftritt mehrfach, bittet Zuschauer zum Sprechen auf die Bühne, nur um ihnen das Mikrofon wieder zu entreißen.
Zuschauer : „Christus war soviel ich weiß duldsam. Und wenn ihm einer widersprochen hat, dann hat er versucht ihn zu überzeugen. Er hat nicht gesagt „Halt deine Schnauze!“.
Klaus Kinski: „Nein! Er hat nicht gesagt „Halt die Schnauze!“ Er hat eine Peitsche genommen und hat ihm ihn die Fresse gehauen. Das hat er gemacht! Du dumme Sau!“
Der Abend wird zum Skandal. Von den Medien genüsslich als Versagen Kinskis und genereller Reinfall ausgeschlachtet. Die Tournee wird nach wenigen Tagen abgebrochen. Bislang war dieser Auftritt der Öffentlichkeit nur als reines Tondokument und in wenigen, kurzen Filmausschnitten bekannt. Jetzt hat der Regisseur Peter Geyer mit Materialien aus Kinskis Nachlass den ganzen Auftritt komplett restauriert. Über 35 Jahre später wird so im Kino diese Ausnahmeperformance erstmals vollständig sichtbar. Kinski allein im Scheinwerferlicht auf der Bühne und im Kampf gegen sein Publikum.
Klaus Kinski: „Und wenn auch nur ein einziger übrig bleibt, der das hören will. Dann muss er so lange warten, bis das andere Scheiß Gesindel weggegangen ist!“
Der eigentliche Auftritt wird schließlich von Kinski vorzeitig beendet, der Großteil des Publikums verlässt den Saal. Im Film läuft an dieser Stelle bereits der Abspann. Danach, um Mitternacht, kehrt Kinski in die Halle zurück. Auch das zeigt der Film als Epilog. Er steigt von der Bühne herab ins Parkett. Vor wenigen hundert Zuschauern, die geblieben waren, spricht Kinski schließlich ungestört den ganzen Text. Um zwei Uhr morgens ist die Vorstellung zu Ende.
Oliver Schaefer



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