Berlinale 2008 - Was bleibt?
Ein Fazit aus einem Filmfestival zu ziehen, ist jedes Mal eine schwierige Sache. Zudem, wenn es für die interessierte Öffentlichkeit geschehen soll. Vieles was auf der Berlinale an gelungenen Filmen zu sehen ist, erreicht nie den öffentlichen Raum, bleibt allein in der Erinnerung der Festivalbesucher verankert.
Dies trifft selbst die Preisträger. Wer erinnert sich schon an die Goldenen Bären Filme der vergangenen Jahre., von Fatih Akins „Gegen die Wand“ einmal abgesehen? Dies könnte sich in diesem Jahr ändern. Die Jury unter Costa Gavras hat eine extrem kluge Wahl getroffen. Der goldene Bär für Jose Padilhas schon in Brasilien umstrittenen Films „Tropa deElite“ in dem es um den Einsatz einer Spezialeinheit der Polizei in den Favelas von Rio de Janeiro geht, zeigt die Lust der Jury an kontroversen Filmen.
Tropa de Elite steht für eine neue Form von gesellschaftskritischen Filmen. Hier wird gezeigt was ist, hier wird genau beobachtet, dies steht im Vordergrund, nicht die Aussage oder sozialkritische Botschaft. Das gefällt nicht jedem, die Diskussion über Errol Morris Film “Standard Operating Procedures“ über die Vorgänge im irakischen Gefangenenlager Abu Ghraib zeigt dies. Hier sind neue Ansätze dokumentarischen Kinos zu erkennen, das auch nicht vor dem in Deutschland heftig umstrittenen Re-Enactment – dem Nachstellen von Szenen durch Schauspieler oder Betroffene – halt macht. S.O.P. erhielt einen silbernen Bären.
Hängenbleiben wird ebenfalls die Filmmusik von „There will be Blood“ – der Film sowieso, allein schon wegen der darstellerischen Leistung von Daniel Day_Lewis. Der Soundtrack(ebenfalls ausgezeichnet in Berlin) rückt dem Zuschauer teilweise körperlich bedrohlich nahe, ein Effekt der sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Verantwortlich für diese kalten, fremdartigen und bedrohlichen Klangstrukuren ist Jonny Greenwood, Bandmitglied von Radiohead. Mutig vom Regisseur Brad Anderson, diese Verpflichtung einzugehen.
Die Berlinale zeichnet sich nicht durch ein Überangebot von humorvollen Filmen aus. Umso umsichtiger die Preisvergabe für die beste schaupielerische Leistung an Sally Hawkins in „Happy Go Lucky“, einer englischen Sozialkomödie von Meike Leigh, ein Film der sicher seinen Weg in die Kinos machen wird.
Ach ja, der deutsche Film. Einerseits stark wie Doris Dörries „Kirschblüten“ mit einem aufgeblühten Elmar Wepper, der wahrscheinlich eine seiner besten schauspielerischen Leistungen seiner Karriere abgeliefert hat. Andererseits der Totalausfall „“Feuerherz“ von Luigi Falorni, einer Verfilmung des gleichnamigen Buches der eritrisch-deutschen Sängerin Senait Mehari. Die Geschichte über vermeintliche Kindersoldaten in Eritrea löste gerade unter den Journalisten, die sich mit der Materie gut auskennen, ziemliche Ablehnung aus. Hoffnung gib wie immer die Sektion „Perspektiven deutschen Kinos“. Hier gab es wie in jedem Jahr die Chance, Spielfime, Dokumentarfilme und Hochschulproduktionen des deutschen Nachwuchses zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass von den insgesamt 80 deutschen Produktionen in allen Sektionen des Festivals einige den Weg ins Kino oder zumindest in das Fernsehen schaffen. Ansonsten bleibt nur unser Tipp fürs nächste Jahr: auf nach Berlin und die Filme gleich auf dem Festival schauen. Wer keine Angst vor langen Schlangen vor den Ticketcountern hat – auch in diesem Jahr gingen 230.000 Karten in den freien Verkauf - wird mit einem ganz besonderen Filmerlebnis belohnt.



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