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Einstiges Berlinale-Filmtheater wird Deutschlands erstes Luxus-Kino

Bloged in Berlinale 2009, Berlinale Newsticker, Filmtheater von admin Samstag Februar 21, 2009

Die diesjährige Berlinale konnte man auch nutzen, einen Blick in eines der im Moment wohl ungewöhnlichsten Kinos Deutschlands zu werfen: Die neue „Astor-Lounge“ am Kurfürstendamm. Das 1948 als „kiki/Kino im Kindl“ gegründete und später dann als  „UFA-Pavillon“ bzw. „Ufa-Palast Berlin“ fimierende Kino war längere Zeit eines der führenden Lichtspielhäuser im Bezirk Berlin-Charlottenburg. Von 1988 bis 2008 wurde das Kino als „Filmpalast Berlin“ von der Cinemaxx AG geführt und auch als Berlinale-Kino genutzt - häufig für Sondervorführungen der Reihe „Berlinale-Spezial“.
Nun wurde dieses denkmalgeschützte Objekt komplett umgebaut und kurz vor Weihnachten letzten Jahres offiziell als sogenanntes “Premium-Kino” in Betrieb genommen. Doch was versteht eigentlich unter diesem Begriff? Nun, zunächst einmal wurden die zuletzt 480 Plätze radikal auf nur noch 250 verstellbare schwarze Designersessel reduziert. In der Tat reichlich bemessen ist der Reihenabstand zum Vordermann, etliche Fußhocker erlauben zudem das bequeme Hochlegen der Beine, kleine Tischchen dienen als Abstellfläche für Speisen und Getränke. Ein Service-Team verwöhnt die Gäste am Platz, von anspruchsvollem Fingerfood über Cocktails hin bis zur edlen Champagner-Flasche kann man hier exklusive Dinge ordern, sofern der Geldbeutel es erlaubt. Denn schon der Eintrittspreis ist teurer als in anderen Kinos - er liegt zwischen 10 bis 17 Euro.Dafür kann man einen Begrüßungsdrink bestellen und sich von einem Serivce-Team direkt am Platz verwöhnen lassen. Im Saal selbst sorgt moderne digitale Projektionstechnik und eine 6000-Watt-Tonanlage für beste Projektionsqualität (verspricht zumindest die eigene Internet-Website). Etwas kurios mutet es an, dass ausgerechnet Hans-Joachim Flebbe - der Mann, der Deutschland seit Anfang der 1990er Jahre nahezu flächendeckend mit seinen CinemaxX-Palästen überzog und damit mitverantwortlich für die sogenannte Popcorn-Kinokultur war - nun ausgerechnet dieses Luxuskino schuf. Flebbe, Deutschlands letzter großer Kinokönig, hat nach seinem offiziellen Ausscheiden als Vorstands-Vorsitzender der CinemaxX AG im September letzten Jahres mit diesem Projekt offenbar ein neues Betätigungsfeld gefunden - und er möchte dieses Konzept auch auf andere Städte ausdehnen. Allerdings: Popcorn-Eimer in Monstergröße gibt es hier nicht mehr und auf den Anblick von Teenagern mit Cola-Trinkbechern in XXL-Größe wird man hier wohl auch verzichten müssen - dafür sorgen schon die erwähnten deftigen Eintrittspreise. Zudem wird statt Action- oder Blockbuster-Kost programmäßig eher auf Anspruchvolles gesetzt: Die neue Astor-Lounge, deren Namen an eines der einstmals über 20 Kinos am Kurfürstendamm erinnern soll, präsentiert im Moment den oscarverdächtigen Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, danach soll im März der deutsche Berlinale-Film „Hilde“ gezeigt werde.
Überhaupt Berlinale: Wie vor ein paar Tagen in einer Berliner Boulevard-Zeitung zu lesen war, wünscht sich Flebbes neuer Geschäftsführer im kommenen Jahr auch wieder eine Reaktivierung der „Astor-Lounge“ als Berlinale-Kino, vermutlich dann wieder für Specials oder exklusive Sonderveranstaltungen - denn für große Publikumsmassen ist diese Spielstätte ja nun nicht mehr geeignet. Ob aber überhaupt das ganze Konzept der Etablierung von Luxus-Kinos in den Zeiten der aktuellen Wirtschaftskrise funktioniert, wird erst die Zukunft beweisen: So stellt sich die Frage, ob eine Schickimicki-Klientel alleine zur Füllung des Saales ausreicht oder ob sich auch „normale“ Kinogänger angesprochen fühlen. Warten wir es ab - in den ersten Tagen und Wochen soll die „Astor-Lounge“ jedenfalls schon mehrmals ausverkauft gewesen sein …
Volker Reißmann
http://www.astor-filmlounge.de/

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