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Berlinale-Retrospektive “70mm - Bigger Than Life”

Bloged in Berlinale 2008 von admin Sonntag Januar 4, 2009

Foto: Archiv Volker Reissmann

Erstmals seit ihrer Gründung im Jahre 1951 wird die Berlinale eine Retrospektive nicht einem Filmschaffenden, einem Genre oder einem Land widmen, sondern einem technischem Filmformat: dem legendären 70-mm-Film, der Ende der 1950er Jahre als Geheimwaffe des Kinos gegen das aufkommende Fernsehen propagiert wurde. Das „Kino International”, welches zu DDR-Zeiten bereits solche Filme präsentierte, wird extra zur Berlinale technisch um- bzw. aufgerüstet. Dies ist auch nötig, denn die Projektion der riesigen Filmkopien erfordert einen hohen technischen Aufwand. So beträgt die Breite des Filmmaterials 7 cm  – und ist damit doppelt so breit wie der 35-mm-Normalfilm. Selbst ein Vergleich mit dem heutigen (eigentlich viel empfindlicheren) Filmmaterial belegt noch immer die einzigartige Bildgewalt des Projektionsverfahrens.

Da dieses Filmmaterial immer einen speziellen Filmprojektor benötigt, gibt es weltweit nur noch wenige Kinos, die dafür ausgerüstet sind. Die Hoffnung, mit dem neuen Domizil des Kommunalen Kinos Metropolis in Hamburg, dem ehemaligen „Savoy“, wäre auch im Norden Deutschlands wieder ein Spielstätte verfügbar, hat sich leider als Trugschluss erwiesen: Zwar war das Großkino am Steindamm schon beim Bau 1957 gleich für 70-mm-Technik ausgerüstet worden (und auch nach der Jahrtausendwende gab es an diesem Standort gelegentlich Privatvorführungen eines begeisterten Kopiensammlers). Doch noch bevor das Metropolis-Kino im August 2008 einzog, waren die beiden Großprojektoren dort bedauerlicherweise bereits abgebaut und verkauft worden. Zudem stellt sich bei 70mm immer das Problem, dass die Filmkopien bei unsachgemäßer Archivierung leicht Schaden nehmen – schon aufgrund seiner Größe ist das Filmmaterial wesentlich anfälliger für Lagerungsschäden als das 35-mm-Standardmaterial. Und auch die Filmkopien sind selten und manchmal nur noch ein enthusiastischen Filmsammlern zu finden.
Das Programm der wieder von der Deutschen Kinemathek/Museum für Film- und Fernsehen zusammengestellten Retrospektive mit 22 Titeln umfasst nicht nur Kolossalfilme wie „Ben Hur“, Abenteuerfilme und Musicals – auch in Westdeutschland weitgehend unbekannte Werke aus der ehemaligen DDR und Osteuropa sollen zur Aufführung kommen – wie z.B. die russische Tolstoi-Verfilmung „Krieg und Frieden“ von Sergej Bondartschuks, deren Entstehungszeit immerhin 5 Jahre (1962–67) betrug.
„Das wird ein Augenschmaus“, verspricht Berlinale-Direktor Dieter Kosslick in einer ersten Pressemitteilung. Und erläutert: „Die 70-mm-Filme sind nicht nur von Farbenpracht und optischer Brillanz geprägt, sondern auch von einem unvergleichlichen Tonerlebnis, das dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, live dabei zu sein!“. Insbesondere die Film-Musicals der 60er Jahre hätten diesen Effekt eindrucksvoll genutzt, so Kosslick - und in Verbindung mit den modernen Mehrkanal-Digitaltonverfahren garantiere er ein „großartiges Kinoerlebnis“. Bleibt nur anzumerken, dass selbst so manche aktuelle Großproduktion bei ihrer Aufführung auf der Berlinale 2009 im Vergleich mit diesen Filmen dann vermutlich recht blass aussehen wird (von den vielen kleinen – und in letzter Zeit häufig auch auf Video gedrehten – Werken ganz zu schweigen). Immerhin garantiert aber die diesjährige Retrospektive sowohl ein spannendes Wiedersehen mit unvergessenen Klassikern der Filmgeschichte wie „Cleopatra“ und „Lawrence of Arabia“ als auch vermutlich so manche Neu- bzw. Wiederentdeckung bezüglich der bei uns weitgehend unbekannten 70mm-Werke aus der Ex-DDR und Osteuropa. Lassen wir uns also überraschen !  
(VR)

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