Panorama Dokumente: Heavy Metal in Baghdad
Heavy Metal In Baghdad Regie: Eddy Moretti und Suroosh Alvi Reihe: Panorama Dokumente
„This is risky. It’s dangerous. People will say it’s really fucking stupid for us to be doing this. But… You know… Heavy Metal rules!“ Suroosh Alvi
Im Sommer 2006 fliegen die amerikanischen Filmemacher Eddy Moretti und Suroosh Alvi in den Irak. In der vom Krieg zerstörten Hauptstadt Bagdad sind sie auf der Suche nach der ersten und einzigen Heavy Metal Band des Landes: Acrassicauda. Der lateinische Ausdruck bedeutet „schwarzer Skorpion“. Unter diesem Bandnamen versuchen vier junge Männer Anfang 20 ihren Idolen Slayer und Metallica nachzueifern. Ein aussichtslos erscheinendes Unterfangen angesichts der äußeren Umstände. Bürgerkrieg, Bombenanschläge, Paranoia und Angst bestimmen das Leben in Bagdad.
Die Band sitzt zwischen allen Stühlen. Von religiösen Eiferern als Satanisten verschrien, von den amerikanischen Besatzern und der Militärpolizei misstrauisch beobachtet und vom Rest der Bevölkerung, der noch nie etwas von Heavy Metal gehört hat, weitgehend ignoriert. Jede Fahrt mit dem Auto ist ein Risiko, jederzeit droht ein Schusswechsel oder ein Bombenanschlag.
„Wenn ich nicht mit all meiner Kraft Schlagzeug spielen würde, dann hätte ich wahrscheinlich schon jemanden umgebracht.“ Acrassicauda
Die permanente Bedrohung trifft auch die Filmemacher, die nur mit schußsicheren Westen und Begleitschutz drehen können. Der Film folgt der Entwicklung der Band über mehrere Monate. Nur insgesamt sechs Auftritte können Acrassicauda im Irak auf die Bühne bringen. Keine langen Haare, keine Metal T-Shirts, kein Headbanging. Die restriktive Stimmung im Land lässt auch für Musiker keinerlei Freiheiten zu. Zwischen Aussichtslosigkeit und Ohnmacht gefangen, müssen die Musiker immer wieder um ihr Leben und das Leben ihrer Familien fürchten.
„Wir reden jetzt doch über ein freies Land. Wo ist denn die Freiheit?“ Acrassicauda
Schließlich zerstört eine Bombe den Übungsraum und die Instrumente der Band.Die Musiker fliehen ins Nachbarland Syrien. Zwar herrscht dort kein Krieg, aber als Flüchtlinge sind Iraker dort auf der untersten sozialen Stufe und können nur mit den miesesten Jobs überleben. Dennoch gelingt es hier zwei Konzerte zu geben und sogar einige Songs in einem Studio aufzunehmen. „Heavy Metal in Baghdad“ ist der etwas andere Film zum Krieg im Irak. Er zeigt Musiker, die als Zivilisten keiner Kriegspartei zuzuordnen sind. Sie haben eigene Ideen und Ziele, die nichts mit dem Wahnsinn um sie herum zu tun haben und sie vielleicht sogar aus alle dem herausführt. Während die alltäglichen Nachrichtenbilder vom Krieg schon lange nicht mehr als ein Schulterzucken provozieren, zieht dieses Porträt einer Jugend ohne wirkliche Hoffnung die Zuschauer direkt in das Herz des Krieges. Dort wo Gewalt und Terror vor allem diejenigen treffen, die nie einen Krieg wollten: die Zivilbevölkerung.
Oliver Schaefer




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