Berlinale-Reihe WAR AT HOME - Der Vietnamkrieg im amerikanischen Film
Anlässlich des 40. Jahrestages einer „Vietnamkonferenz“ der Sozialistischen Deutschen Studentenbundes SDS in Berlin findet im Rahmen der Berlinale die Reihe „War at home – Der Vietnamkrieg im us-amerikanischen Film“ statt.
Sie wurde bereits am Freitag dem 8. Februar im Filmpalast am Kurstfürstendamm mit der Antikriegs-Satire „MASH“ des im letzten Jahr verstorbenen Regisseurs Robert Altman eröffnet (die auch als Grundlage für die spätere gleichnamige Fernsehserie diente). Die Filmsatire selbst spielte vor dem Hintergrund des Koreakriegs, war jedoch zweifellos durch den Vietnamkrieg beeinflusst, der um 1970 seinen Höhepunkt bereits erreicht hatte.
In dieser kleinen Filmreihe, die insgesamt nur acht Titel umfaßt und in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung entstand, geht es vor allem um die Reaktionen des Vietnamkriegs in den USA selbst – geschildert durch zeitgenössische Spiel- und Dokumentarfilme. Als Spielfilm wird in dieser Reihe u.a. noch „Catch 22“ von Mike Nichols gezeigt, ebenfalls ein großer Klassiker der Antikriegsfilm-Satire, der auch stark vom Vietnamkrieg beeinflusst wurde, auch wenn er ihn nicht direkt thematisiert und als Sujet das Ende des 2. Weltkriegs bei einer Bomberstaffel in Sizilien nimmt. Den zeitlichen Abschluss bildet „Coming Home“ von 1978 von Hal Ashby, der sich mit dem Aspekt der schwierigen Integration von Vietnamkriegsheimkehrern in die amerikanische Gesellschaft befaßt. Bewußt außenvor bleiben jedoch alle späteren Filme, die sich dann ab 1979 und „Apocalypse Now“ mit dem Thema Vietnamkrieg beschäftigt haben. Dafür gibt es einige weniger bekannte Dokumentationen zu sehen, wie „War at Home“, der der Reihe auch den Namen gab und 1978/79 entstand und sich mit einer Protestbewegung in Madison Wisconsin befaßte, bei der u.a. Quäkeraktivisten gegen den Krieg demonstrierten. Gezeigt wird auch die Dokumentation „Basic Training“, die den Drill bei den amerikanischen Streitkräften zeigte, wo man die Rekruten auf ihren Einsatz in Südostasien mit drakonischen Übungen vorbereiten wollte. Ein besonders kurioser Beitrag der Reihe ist „The Green Berets - Die grünen Teufel“, den der ultrakonserative Schauspieler John Wayne mit sich selbst in der Hauptrolle in Szene setzte. Bei Truppenbesuchen im Lande hatte er den GIs versprochen, einen Film über den Krieg zu drehen – auch um die langsam kriegsmüde werdenden Amerikaner wieder für den Kampf gegen die Vietcong und den Kommunismus zu begeistern. Und so entstand der einzig zeitgenössische Spielfilm zu diesem Konflikt, der allerdings nicht in Südvietnam selbst gedreht werden konnte, da dies den amerikanischen Streitkräften 1968 zu riskant erschien. Man verlegte also den Drehort kurzerhand nach Fort Bragg in North Carolina, pflanzte dort ein paar tropische Büsche und Palmen auf dem Truppenübungsplatz an - und schon konnte der Westernstar seine Sichtweise des Krieges in Szene setzen. Besonders realistisch wirkt das Werk deswegen nicht, gingen doch etliche der teuren tropischen Planzen schon während der Dreharbeiten ein – und die ständig im Bild präsenten Nadelbäume im Hintergrund wollten auch nicht so recht zu Südostasien passen. Besonders die revoltierenden Studenten der 1968er Bewegung in Europa ärgerten sich über den ultrakonserativen „Kriegstreiber“-Film – in vielen deutschen Städten wurden die Aufführungen des Films 1969 von Stinkbombenattaken begleitet. Derartiges ist heute natürlich nicht mehr zu befürchten, hat sich doch Aufregung von damals längst gelegt, so dass man jetzt dieses eigentümliche Machwerk, dass auch schon öfter im deutschen Fernsehen lief, aus einer eher cineastisch-nostalgischen Perspektive betrachten kann.
Und quasi als kleine Wiedergutmachung an die 1968er Studenten wird – kurioserweise ausgerechnet im Amerika-Haus in der Hardenbergstraße – begleitend die Ausstellung „68 – Brennpunkt Berlin” (Eintritt frei) gezeigt, die täglich von 10 bis 20 Uhr an die damalige Studentenrevolte erinnert, deren Hauptanliegen - neben einem Aufbrechen der ihrer Meinung nach verkrusteten Gesellschaftsstrukturen - auch vor allem eine sofortige Beendigung des Vietnamkrieges war.
Volker Reissmann




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