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Too Cool for Internet Explorer

“Korrespondenzen” auf dem Filmfest Hamburg.

Bloged in Filmfest Hamburg 2009 von admin Sonntag Oktober 18, 2009

Wie immer auf Festivals, wird das im dunklen Kinosaal erfahrene, zwischen den Vorstellungen weitergesponnen.

1. Schrott und Müll.
Ist das eine Metapher für den Zustand, mit dem unsere globalisierte Welt zurecht kommen muß? In CARCASSES lebt der Protagonist auf dem Schrottplatz wie ein Gärtner. In einem fast paradiesisch zu nennenden Zustand. Er weiß den Ort zu nutzen. In EXAMINED LIFE hält Slavoj Sizek auf der Müllhalde einen Monolog über Ökologie und das entäußern von Müll. In SHE, A CHINESE macht sich eine junge Chinesin auf, um einer Existenz, in der es in ihrer Provinz nur eine Arbeit auf der Müllhalde gibt, zu entkommen. Im goldenen Westen, in London, probiert sie sich in mehreren Lebensentwürfen. Am Ende des Film sieht man sie allein und schwanger auf einer Brücke kauern. Ich denke so alleingelassen und zwischen den Welten fühlen sich nicht nur junge Chinesinnen. Welche Art von Müll und Ballast muss man abwerfen. Was ist nicht nur Müll oder Schrott und läßt sich verwandeln. Brückenbau ist in jedem Fall von Bedeutung. Letzten Endes ist alles eine Art der Sichtweise. Und wir sind uns trotz kultureller Unterschiede vielleicht näher als wir denken. Wir – hier im Westen – grübeln über losgelassenen Individualismus und in Asien wird das konfuzianische Weltbild hinterfragt. Was ist die goldene Mitte? Ein Dialog wäre da nicht übel. Das wäre ja nicht gleichbedeutend mit der Einebnung aller Eigenarten. (weiterlesen…)

Filmfest Hamburg - Cold Souls von Sophie Barthes

Bloged in Filmfest Hamburg 2009 von admin Sonntag Oktober 18, 2009

Mein Lieblingsfilm auf dem Filmfest Hamburg? Das Regiedebüt von Sophie Barthes. COLD SOULS gelingt es diese Komplizenschaft mit dem Zuschauer herzustellen, die im Lachen begründet wird. Ein Großstadtfilm, der manchmal offensichtlich an Woody Allen erinnert. Denn der Stadtneurotiker ist ein Phänomen in der New Yorker Künstlerszene. Und das es ohne das nicht geht, beweist diese Seelenschau.
Wie kann ein Theaterschauspieler, der gerade eine Tschechow-Rolle probt, seinen Gefühlsschwankungen entkommen? Nun COLD SOULS zeigt einen Weg. Da gibt es dieses Labor, das Seelen extrahiert und lagert. Mal abgesehen davon, dass das Anamnese/Aufnahme-Gespräch zwischen Wissenschaftler und Künstler schon abgründiges offenbart. Eines erweist sich als ziemlich eindeutig. Ohne eine Vorstellung von Melancholie läßt sich Tschechow nicht spielen. Total cool und deshalb total happy beweist der Schauspieler nur, das so alles nicht nur sinnentleert ist, sondern auf der Bühne ist es sogar noch alberner als im wirklichen Leben. Also will es der Schauspieler mal mit der Seele eines russischen Dichters versuchen. Nun, russisch ist die arme Seele. Und die Dimensionen einer russischen Seele in Bezug auf die Tiefe der düsteren Empfindungen sind für einen New Yorker Schauspieler dann doch zuviel. Aber es zeigt sich auch, dass er in einen russischen Schwarzmarkthandel an Seelen geraten ist. Der Rest ist eine ziemlich irre Spionagegeschichte, in der eine russische Seelen-Agentin, dem Künstler hilft, seine eigene, verloren gegangene Seele, in St. Petersburg wiederzufinden. Dabei ist der Running Gag, dass seine Seele nur die ziemlich mickrige Konsistenz einer Bohne hat. Paul Giamatti spielt sich quasi selbst. Oder so wie Sophie Barthes ihn erfindet für ihre Idee von den COLD SOULS.
Text Meike Gastner

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